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Über Martin Oetting:

  • trnd rx.

Connected Marketing - das Buch

Kinder und Marken: "Hühma!"

Gerade gehe ich hier im Prenzlauer Berg die Straße entlang, vor mir laufen Papa (ca. 1,90 m) und Sohn (ca. 3 Jahre alt, keinen Meter groß), der Junge an der Hand des Vaters. Mit einem Mal reißt sich der Kurze los, dreht sich zur Seite, zeigt begeistert auf die gegenüberliegende Straßenseite und brüllt:

"GUCK MAL! Ein HÜHMA!"

Ich neugierig, drehe mich um und gucke auch. Auf was zeigt er? Ein Wohnmobil mit einem hohen Sonderaufbau, der nach vorne, hinten und zur Seite über das Fahrgestell hinausragt. "HÜHMA" ist also Hymer.

Und ich fragte mich, wie es wohl zu dieser extrem frühen Markenprägung gekommen sein mag. Ich konnte jedenfalls mit drei Jahren noch kein Wohnmobil als Hymer identifizieren, und ganz ehrlich gesagt käme mir auch heute der Gedanke nicht...

Twitter Marketing Betacamper.

Neulich war ich ja recht enthusiastisch über das "Twitter-Marketing" von Andreas Dittes und Kollegen im Zusammenhang mit Telewebber und Betacamper. Andreas hat mir nun ein paar erste Ergebnisse geschickt:

"Ich habe mir leider erst recht spät einen richtig guten Twitter-Monitor gebaut, der ein paar der Suchdienste aggregiert und damit relativ genau Keywords überwachen kann. Demnach haben 174 Camper ihre Zeltnummer über Twitter mitgeteilt. Das macht auf alle Zelter bezogen fast 25%!  Zwar ist alles nach den ersten 2 Stunden langsam wieder abgeebbt, aber das Twitter-Strohfeuer ist doch nachhaltiger als erwartet. Nach grobem Überfliegen sind es eher die Gelegenheits-Twitterer, die von den 'Großen' die Camp-Messages bekommen haben.

Interessant ist auch zu sehen, dass die Gespräche rund um Betacamper in Twitter nach wenigen Stunden schon wieder aufgehört haben - da erkennt man u.a., wie schnell hier die Themen durchgereicht werden. In Blogs hat das natürlich länger angehalten.

Wir haben jetzt auch noch "Rauchzeichen" eingebaut, also die Möglichkeit, per Mail Freunden von Betacamper zu erzählen. Ich habe lange überlegt, ob das überhaupt Sinn hat, aber testen wollte ich das dann doch mal. Nach einigen Stunden kommen wir hier auf 4 versandte Stapelmails, also nicht so interessant. (Ist auch nicht so supereasy wie Twittern - obwohl wir zumindest die Mailadresse und den Namen schon aus der Zelt-Eingabemaske auslesen)."

Also im Ergebnis vielleicht nicht ganz sooo effizient wie ich erwartet hatte - dazu wird Twitter in Deutschland eben auch einfach noch zu wenig genutzt. (Dazu haben wir übrigens grade mit der Horizont zusammen eine Befragung bei trnd gemacht - dazu gibt es dann auch demnächst Ergebnisse.)

Andreas wird zu seinen Erfahrungen aber sicher auch noch selbst was bloggen.

Wie Online-Foren Geld sparen.

Gerade in einem Tweet von @AmandaMooney entdeckt: Es gibt offenbar unter dem Namen "Predator" ein Mitglied bei den Dell Community-Foren, welches seit 1999 dort schon 22.508 Einträge geschrieben hat. Dell schätzt, dass ein Anruf beim Kundensupport das Unternehmen $10 kostet. Jetzt kann man versuchen abzuschätzen, wieviel Geld das Unternehmen dank der Aktivität vom Predator schon sparen konnte. Und da sage nochmal einer, mit Consumer Generated Content ließe sich kein Geld verdienen...

Zitat des Tages.

Kathrin Passig (@kathrinpassig):

"Ich betrachte sowieso mein Ich von morgen als einen fremden Menschen, dem man ruhig alle Arbeit aufbürden kann."

Kommt mir arg bekannt vor...

NDR, Buzzagents und Mundpropaganda.

Vor einigen Tagen lief in verschiedenen Programmen des NDR ein kurzes Feature über unsere Arbeit. Interessanterweise wurden unsere Mitglieder dabei als sogenannte "Buzz Agents" bezeichnet - ein Begriff, den wir weder selbst verwenden, noch der - unserer Ansicht nach - in Deutschland wirklich verstanden wird und funktioniert. Weil es beim Mundpropaganda-Marketing um die Idee der Partnerschaft mit den Kunden geht, nennen wir unsere Mitglieder trnd-Partner.

Interessant war auch, dass ebenfalls darüber gesprochen wurde, dass durch unsere Kampagnen negative Mundpropaganda entstehen kann. Die Redakteure stellten das so dar, als ob die Kampagne an den Stellen fehlschlägt, wo ein Mitglied nicht ausschließlich positive Mundpropanda für ein Produkt macht. Das ist so aber natürlich nicht richtig - wir können schon mal gar nicht davon ausgehen, dass alle Projektteilnehmer ein Produkt immer toll finden. Wichtig ist, dass sie anderen von ihrer Erfahrung berichten und idealerweise jeder sich selbst ein Urteil bilden kann (weil die Mitglieder die Produkte weitergeben). Die Produkte sollen bekannt gemacht werden durch authentische Mundpropaganda. Damit der Großteil dieser Mundpropaganda möglichst positiv ist, bemühen wir uns zudem darum, vor allem und gerade die Fans der Marke an dem Projekt zu beteiligen. Aber dass jedes Mitglied in einer Kampagne mit 5000 Teilnehmern das entsprechende Produkt super findet - davon kann nicht ausgegangen werden.

Es geht darum, dass Leute sich eine ehrliche Meinung bilden und diese mit anderen teilen, um so das Produkt bekannt zu machen. Außerdem geht es darum, dass die Meinung dieser Leute zählt und an das Unternehmen zurückgemeldet wird - denn dann entstehen dauerhaft Fans, die sich mit einer Marke identifizieren, die auf sie eingeht. Genau deswegen sind wir "the real network-dialogue".

Start-Up Marketing: Wie man's NICHT machen sollte.

Mit Jochen habe ich mich in den vergangenen Tagen mehrfach dazu ausgetauscht: es ist absolut bemerkenswert, wieviele Start-Up-Gründer denken, sie könnten zuerst die Plattform bauen und dann erst das Marketing machen. Dass also - wenn die Seite fertig ist - Google AdWords oder irgendeine Viral-Marketing-Idee die Sache irgendwie reissen werden. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass das gelingt. Wer sich nicht von Anfang an - beim ersten Konzept der Seite - Gedanken dazu macht, wie die Plattform einen direkt in das Konzept eingebauten Ansteckungsfaktor haben kann, der macht es sich selbst unglaublich schwer. Nachträglich aufgesetztes Marketing hat in der New Economy mit Millionenbudgets nicht funktioniert. Warum sollte es das heute? Die großen Erfolge entstehen, wenn die Leute einen eingebauten Grund haben, ein Projekt weiterzuempfehlen.

Und heute bekomme ich diese E-Mail:

Hallo Herr Oetting,
    
machen wir´s kurz: xyzxyz.de ist da. Aber wir hatten noch keine Zeit für Virales. ;)

Als fast schon ZU klassisches 2-Mann-Gründerteam haben wir alle verfügbaren Ressourcen in die Konzeption & Umsetzung gesteckt. Aber nun sind wir live und gehen's an, das Virale.

Obwohl: die Integration der User in die Weiterentwicklung unserer Seite ist einer der absoluten Kernpunkte. Durch Votings & Umfragen finden wir heraus, was die Mehrheit wünscht und werden so eine "user generated website". Aktuell sind wir, im Vergleich zu Mitbewerbern, sehr reduced to the max.

(...)

Wahnsinn. So direkt zu sagen, dass man über Marketing nicht nachgedacht hat, bevor man die Seite ins Netz gestellt hat, ist wirklich bemerkenswert. Und es zeigt mir, dass Jochen recht hat...

(Übrigens: das Konzept der beiden Macher selbst ist gar nicht so unviral, wie man vielleicht meinen könnte... Und die Einbindung der Nutzer bei der Weiterentwicklung wird auch bedacht - das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Und dass ich auf Anglizismen wie "reduced to the max" im Deutschen stehe, ist ja ohnehin bekannt...)

Telewebber: Virale E-Mail-Alertliste durch Betacamper.

Wenn es bei all den viralen Rohrkrepierern mal eine wirklich gut durchdachte Idee mit hohem Ansteckungspotentzial gibt, kann mich das sehr begeistern. Grade wird so ein Virus losgetreten.

Es ist Gang und Gäbe, dass Web-Startups vor dem Launch eine Startseite haben, auf der sie den Besuchern anbieten, ihre E-Mail-Adresse zu hinterlassen, damit sie dann beim Launch benachrichtigt werden. So etwas ist eine Art "Hausaufgabe" vor dem Launch, die man halt so erledigt.

Nicht so bei Telewebber. Das Projekt von dittes, Heiko Seebach und Hannes Schippmann startet auch mit einer Vorregistrierungsseite. Diese ist aber so intelligent gemacht, dass sie erstens irgendwie Spaß macht, und zweitens extreme Viralität über Twitter ermöglicht: anstatt nur anonym seine E-Mailadresse zu hinterlassen, richtet man sich auf der Seite Betacamper mit einigen Mausclicks ein eigenes Zelt ein. Damit wird schon von Anfang an sichtbar, wer sich noch alles eingetragen hat. Aber damit nicht genug. Wenn man sein Zelt aufgestellt hat, kann man mit nur zwei Mausklicks - ohne zu tippen - seinen Followern über Twitter mitteilen, dass man sich bei Betacamper das Zelt eingerichtet hat.

Genau auf diese Weise bin ich ja selbst darauf gekommen - weil ich die Nachrichten von anderen gesehen habe und irgendwann der Herdentrieb einsetzt.

Ich muss sagen, ich bin von diesem kleinen Pre-Launch-Trick schwer begeistert. Und ich wette, dass dies zum Standard für künftige Pre-Launch-Seiten wird. Angekündigt vor vier Stunden, sind nun schon mehr als 200 Leute eingetragen!

Hut ab!

CommunityEffects 2008

Unter diesem Titel gibt es von der Tomorrow Focus AG eine "Studie zu Werbung und viralem Marketing in Social Communities" (vom 18.03.08). Stehen ein paar interessante Sachen drin.

Untersucht haben sie die Nutzer von 13 Social Networks: Lokalisten, JUX.de, Facebook, Jappy, StayFriends, MySpace, Knuddels.de, StudiVZ, SchülerVZ, KWICK!, jetzt.de, Piczo und Schwarze Karte, einmal mittels qualitativer Forschung mit Fokusgruppen, dazu eine quantitative Erhebung mittels Befragung im Netz.

Folgend ein paar Ergebnisse, wobei ich keine Zahlen zitiere, denn die Teilnehmerzahlen bei den verschiedenen Fragen sind nicht besonders hoch, und ich kann nichts über die Signifikanz oder Allgemeingültigkeit der Ergebnisse sagen.

Also, folgendes kam raus:

Weil die Nutzer in den Communities im Vergleich zum Durchschnitt deutlich jünger sind, gibt es unter ihnen auch mehr Studenten und Schüler. Und die suchen ganz besonders Unterhaltung im Netz. Daneben spielt - vor allem für Teenager - direkte Online-Kommunikation per Chat und Messenger eine große Rolle. (E-Mail is so twentieth century.) Für diese direkte Kommunikation sowie zur Selbstdarstellung werden die Communities genutzt. (War mir neu: bei StudiVZ & Co wird gechattet?)

Einige Ergebnisse sind nicht besonders erstaunlich - Banner werden als langweilig aber wenig störend empfunden, Flash-Layer nerven (die Empfehlung daher: man sollte ein Frequency-Capping einführen - klar, das sind Vermarkterempfehlungen; ich würde empfehlen, den unsäglichen Quatsch mit Flash-Layern komplett bleiben zu lassen...), Profilseiten von Marken kommen besser weg. Gewinnspiele bringen direkte Spam-Sorgen mit sich, da sollte man sehr genau die Seriösität der Adressbehandlung kommunizieren. Die Macher der Studie empfehlen zwecks viraler Effekte bei Gewinnspielen, auf externe Netzwerkeffekte zu setzen, d.h. dass man als Nutzer mehr von dem Gewinnspiel hat, wenn man auch Freunde dazu einlädt. Sonst besteht das Interesse der Nutzer eher darin, das Gewinnspiel für sich zu behalten, denn sie würden sich ja sonst Konkurrenz um den Gewinn dazuholen.

Games und vor allem Musik - als Träger für Markenbotschaften - kommen recht gut an. Und auch Werbefilme, die bei Videoplattformen vorweg geschaltet werden (was mich erstaunt - mich nerven die immer). Virale Filme scheinen auch Akzeptanz zu finden. Nur muss man beachten: "Besonders hohe Erfolgschancen haben Videos, die »speziell« sind: besonders witzig, besonders unterhaltend, besonders überraschend, besonders gestaltet" - Also das alte Problem, dass man schon sehr gut sein muss, um virale Effekte zu erzielen. Und dass dabei dann eben auch die Marke leicht verloren geht. Die wichtigsten Gründe, warum Leute virale Werbung weiterleiten (sofern sich solche motivationalen Stimuli überhaupt so direkt abfragen lassen...): Interesse am Produkt oder der Marke, Unterhaltungs- und Spaßfaktor der Werbung, Nutzen der Werbung und spontane Laune. Die wichtigsten Gründe dagegen: Werbung lohnt nicht weitergeleitet zu werden (Stichwort Massengrab), Bedenken wegen Viren und Spam (!!), kenne niemanden, den das interessiert, die Idee ist mir noch nicht gekommen.

Interessant: wenn Marken versuchen, ein Produkt mittels Profilseite, die man "als Freund adden" kann, darzustellen, wird ein sehr wichtiger Aspekt deutlich: die Nutzer mögen an diesen Seiten nicht, wenn sie unpersönlich rüberkommen - d.h., wenn sie nur die Marke darstellen und keine Person im Zentrum steht, und vor allem wenn sie keine Möglichkeit zur echten Interaktion bieten. Außerdem wird als unangenehm empfunden, wenn zu viel Werbung über so einen Kanal versendet wird. Das beweist, aus meiner Sicht: Wer meint, er könne involvierendes Marketing machen, indem er eine Profilseite bei MySpace oder Facebook einrichtet und dann die sich dort eintragenden Leute mit Werbung bespammt, der bewirkt das Gegenteil - er verärgert seine Fans. Man muss die Sache mit dem Dialog schon ernst nehmen, denn dafür ist das Medium da. Zitat aus dem Bericht: "Im Idealfall kommuniziert das Profil mit seinen »Freunden«, z.B. in Form eines regelmäßigen Blog-Eintrags. Eigenwerbung sollte dabei nicht (unbedingt) im Vordergrund stehen." Das '(unbedingt)' würde ich streichen...

Nachtrag zu: "Marketing für Web-StartUps: Mundpropaganda eingebaut"

Jochen (der lustigerweise gerade auf meinen passenden Artikel verlinkt hat) bietet eine Menge hilfreicher Links zum Thema virale Effekte für Webplattformen, die ich einfach mal ungetestet zur Lektüre empfehle - ich werde sie auf jeden Fall auch noch durcharbeiten.

Jochen, es gibt doch nichts Feineres, als mit Dir "kreuzweise" zu verlinken... ;-)

Zitat des Tages.

Old School-Alarm: wenn ich merke, dass meinen Kunden die Finanzierungsform meines Angebotes nicht mehr zusagt und sich eine Verweigerungshaltung breit macht, was mache ich dann? Ich überlege mir neue Lösungen und Wege? Oh nein. Ich deklariere ganz einfach den Nutzer und Kunden zum Gesetzesbrecher und Schwarzfahrer um. Das muss man sich vorstellen - wer Werbeblocker einsetzt, ist laut n-tv Schwarzfahrer:

"Natürlich können wir den Einsatz nicht verbieten. Das gilt aber auch für Schwarzfahren oder an der Supermarkt-Kasse vorbeimogeln. Wenn Sie unsere Seite nutzen wollen, sollten Sie auch unser Geschäftsmodell akzeptieren: Die Finanzierung durch Werbeeinahmen. Es ist eine Frage des Anstands und des guten Benehmens, auf den Einsatz von Werbeblockern zu verzichten. "

Uiui. Da wird sich viel ändern, in den kommenden Jahren. Business-by-Eingeschnapptsein ist meines Erachtens kein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Danke an @KMTO für den Hinweis.

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